02. Oktober 2026
Ihr gutes Recht
Liebe Leser*innen,
„Wer sich nicht wohlfühlen und nicht partizipieren kann, kann auch nicht lernen.“ Mit diesen Worten bezieht sich Amy Kirchhoff, die Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz, auf die Ergebnisse der gerade veröffentlichten PISA-Studie 2025. Sie spricht damit eine der wichtigsten Baustellen und gleichzeitig ein verbreitetes Missverständnis in unserer Gesellschaft an: In Kitas, Schulen und außerhalb der Bildungseinrichtungen fehlt es häufig an Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Diese sind mitnichten ein Nice-to-have, kein nettes Extra, sondern vielmehr eine Voraussetzung dafür, dass Kinder gerne und angstfrei lernen. Beteiligung ist ein unverzichtbarer Baustein für Chancengerechtigkeit: Denn nur wer gesehen wird, sich einbringen und entfalten kann, geht gerne zur Schule und hat Freude am Lernen.
Beteiligung ist ein Kinderrecht – leider noch immer nicht in unserem Grundgesetz, aber festgeschrieben in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention. Diese hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1989 verabschiedet. Gemäß dieser Konvention haben junge Menschen das Recht, an Entscheidungen mitzuwirken, die sie betreffen.
Ein 11-jähriger Junge hat dieses Recht im Juli wahrgenommen, indem er eine beeindruckende Rede in einer Stadtratssitzung seines US-amerikanischen Heimatortes hielt, in der er sich gegen den Bau eines Rechenzentrums einsetzte. Die Baugenehmigung konnte zwar nicht mehr zurückgenommen werden, sein Landkreis entschied jedoch, zukünftig keine weiteren Rechenzentren zu genehmigen.
Diese schöne Geschichte mag eine Ausnahme sein. Sollte sie aber nicht! Wer die Möglichkeit hat, sich kritisch mit Entwicklungen auseinanderzusetzen und sich an Entscheidungen zu beteiligen, die das eigene Leben betreffen, erlebt Selbstwirksamkeit und sammelt prägende Demokratieerfahrungen.
In unserem Planspiel Zuku_KI simulieren Schüler*innen einen Expert*innenrat und diskutieren, ob in ihrer Kommune ein neues KI-Rechenzentrum gebaut werden soll. Sie setzen sich kontrovers mit einem brandaktuellen Thema auseinander und spielen einen demokratischen Entscheidungsprozess durch. Das Planspiel ist eine sinnvolle Ergänzung zur KI-Box Klima, mit der junge Menschen Grundlagenwissen zu Künstlicher Intelligenz und Natürlichem Klimaschutz erwerben. Beides können Schulen und andere Lernorte aktuell kostenlos bei uns bestellen.
Nicht nur eine Simulation, sondern echte Beteiligung kam bei unserem Rucksack voll Meer zum Tragen: Eine Gruppe junger engagierter Menschen entwickelte die Idee im Rahmen eines Beteiligungsprogramms des Bundesumweltministeriums und konnte sie mit uns gemeinsam realisieren.
Es gibt schon viele gute Ansätze und viele engagierte Menschen. Ihr schafft an euren Schulen, außerschulischen Lernorten, in Kommunen oder anderen Wirkungsfeldern immer wieder Räume für Beteiligung. Organisationen wie wir bieten immer wieder neue Formate zum Ausprobieren an. Um das Recht auf Beteiligung zu gewährleisten, muss Kinder- und Jugendbeteiligung jedoch strukturell verankert werden. Nur so wird die junge Generation in der Lage sein, eine demokratische, gerechte und vielfältige Gesellschaft mitzugestalten. Mit den nötigen Kompetenzen – und mit Freude.
Euer Team von kosmos b – Bildung. Begegnung. Beteiligung.
P.S.: Das Editorial-Bild zeigt drei Schüler beim Testen der Materialien des Rucksack voll Meer. Tipp: Das hier begutachtete Buch Wir Menschen und das Meer kann bei einigen Landeszentralen für politische Bildung bestellt werden.


